1. September 2026
Künstliche Intelligenz (KI) macht’s möglich: Wir kommunizieren immer schneller – und auch mehr. Aber was bringt das – an Öffentlichkeitswirksamkeit oder gar für ein gemeinsames Verständnis?
Text: Franziska Böhm
Mal eben einen neuen Flyer oder neue Postkarte basteln? Was früher Stunden bis Tage mühselig einzeln gesetzt werden musste, können wir heute in einem Bruchteil der Zeit erstellen. Die Übersetzung oder Untertitelung für’s Video? Mit einem Klick automatisch synchronisiert. Gerade kein passendes Bild für den neuen Artikel? Könnten wir doch auch einfach generieren. Künstliche Intelligenz begegnet uns auch im Kommunikationsalltag an allen Ecken und Enden. Aber wie wirkt sich diese zunehmende KI-Nutzung eigentlich auf unsere Kommunikation aus? Uns fallen in letzter Zeit ein paar Dinge vermehrt auf – und ihnen vielleicht auch.
Ein Einheitsbrei an KI-generierten Postings
Ob eine Anzeige für die Physiotherapiepraxis, ein Plakat für das nächste Schützenfest oder ein Post für das neuste Buch eines Business Coach: Irgendwie sehen sich Werbungen und Beiträge ziemlich ähnlich und klingen auch so. Wir sehen zurzeit z. B. häufig Bildposts mit sechs Quadraten in zwei Farben, in denen Inhalte in verschnörkelter Serifenschrift stehen. Dazu dann im Text erst irgendein Claim und unten der textliche Aufruf, sich anzumelden, einen Termin zu vereinbaren oder eben zum besagten Schützenfest zu gehen – alles optisch völlig austauschbar und sogar sprachlich, wenn man nicht genau liest. Und wer tut das schon beim Scrollen?
KI repliziert Standards
Warum das so ist, liegt auf der Hand. Die Algorithmen von Plattformen wie Instagram oder LinkedIn belohnen ja Inhalte, die gut funktionieren. Und so kopieren Creator*innen, aber auch Unternehmen und andere Kanäle einander massenhaft. Das war auch vor KI schon so. Wer erinnert sich z. B. nicht an Sepia- oder Vintage-Filter auf fast allen Instagram-Fotos Anfang der 2010er?
Diese Vereinheitlichung hat mit der zunehmenden Nutzung von KI aber noch einmal zugenommen. Auch dafür liegen die Gründe auf der Hand. Posts inhaltlich aufzubauen mit einem Hook am Anfang über etwas, was man (angeblich) erlebt hat oder einen beschäftigt, am besten noch als irritierendes Statement formuliert und einem Call-To-Action plus Hashtags am Ende? Dabei strukturierte Aufzählungen mit einer ungeraden Anzahl an Adjektiven oder Stichpunkten? Diesen Aufbau empfehlen Kommunikationsprofis doch seit Jahren. Die KI repliziert hier bei Text(korrektur-)vorschlägen also nur in Massen, was lange Zeit als guter Standard galt. Wer ohnehin wenig Zeit hat, wird kaum die Ressourcen aufbringen, sich für jeden einzelnen Post oder Werbung kreativ einen neuen Ansatz zu überlegen. Somit ist die Kommunikation dank KI eigentlich „besser“, wenn wir rein auf sprachliche Standards achten, aber halt auch irgendwie gleichförmiger und dadurch langweiliger.
Verlust authentischer Kommunikation
Wenn wir alle gleich kommunizieren und dabei fast gleich klingen, stellt sich außerdem die Frage, was an der jeweiligen Kommunikation eigentlich noch „echt“ ist. Was von den ganzen Anekdoten, persönlichen Geschichten oder emotional gehaltenen Texten, die wir überall lesen, sind „wirklich“ so passiert? Und was bedeutet es, wenn dem nicht so ist? Welche Bilder zeigen reale Szenarien? Geht es uns nur noch um Aufmerksamkeit – oder auch um die Qualität der Inhalte? Und nicht zuletzt die Frage: Geben wir durch KI unsere Denkfähigkeit und damit letztendlich auch unsere Kontrolle über die Kommunikation und Authentizität zu sehr ab?
Absurde Tipps zum Erkennen „echter“ Kommunikation
Inzwischen geistern auch einige Tipps durchs Netz, wie wir vermeintlich „echte“ Kommunikation erkennen können. Sehr häufig dabei genannt: Der Gedankenstrich. „Echte“ Menschen beherrschen nach dieser Meinung keine Satzzeichen und schreiben statt dem Gedankenstrich „–“ einen Minusstrich „-“. Wenn man sich umhört, führt das aber inzwischen wohl dazu, dass Menschen ihren Text erst mit KI generieren und dann den dort vorgeschlagenen Gedankenstrich wieder durch einen Minusstrich ersetzen oder gar durch einen sogenannten „Humanizer“ jagen, also eine KI, die Texte wieder menschlicher klingen lassen soll. Absurder geht es wohl kaum. Wir für unseren Teil verwenden Gedankenstriche weiterhin – aus Prinzip! Denn wir haben sie einfach schon immer gerne verwendet und sie gehören für uns authentisch dazu, KI hin oder her.
KI kritisch und verantwortungsvoll einsetzen
Dieser Artikel soll übrigens kein KI-Bashing an sich sein. Künstliche Intelligenz bietet enorme Chancen in so vielen Bereichen, sei es für Forschung, investigative Recherche oder Datenauswertung. Auch wir wollen nicht zu einer Vor-KI-Zeit zurück, bei der wir z. B. Bilder Pixel für Pixel mühselig freistellen müssen. Aber was heißt das für gute Kommunikation? Die Antwort liegt wohl ein bisschen zwischen: sich selbst treu bleiben und das Hirn beim Einsatz von KI nicht ausschalten. Die Strategie im Blick behalten, den genauen Einsatz jeweils reflektieren – und mindestens den Output kontrollieren und mit eigenen Inhalten, Anekdoten, Beispielen spezifizieren. Dann bleibt die Kommunikation auch KI-gestützt einigermaßen authentisch und konkret ֪– und wir sehen in unseren Feeds vielleicht doch irgendwann wieder etwas mehr optische Vielfalt.
Fortbildungen zu echter Kommunikation – jenseits von Werbung
Für diejenigen von uns, die sich noch mehr mit echter Kommunikation jenseits von Werbung befassen wollen, bieten wir im WILA Bildungszentrum einige Formate an. Beim Kommunikationsespresso geht’s z. B darum, wie wir Klartext reden, auch bei Stress „bei uns bleiben“ oder Missverständnisse und Schlagabtausch stoppen können. Seminare zu Werbung oder KI gibt’s bei uns natürlich auch.
Wir haben die KI gefragt, wie sie selbst ihren Einfluss auf unsere Kommunikation sieht. Die Fragezeichen haben wir hinter dem Text ergänzt, auch wenn wir sie noch mehr hervorheben würden, wenn wir mehr Bildcredits gehabt hätten. Bild generiert mit chatai.de 
