Das Nachfolgeprogramm für den Weiterbildungsscheck fördert die berufliche Weiterbildung von Personen mit Wohnsitz in NRW. Gefördert werden 50% des Teilnahmebeitrags bis max. 500 € pro Jahr (bei max. 50.000 € Bruttoeinkommen der Antragsteller*innen).
KOMPASS-Programm: Förderung für Solo-Selbstständige
Für Solo-Selbstständige gibt es darüber hinaus noch ein eigenes Förderprogramm: KOMPASS. Das Programm des Europäischen Sozialfonds bietet finanzielle Unterstützung für maßgeschneiderte Weiterbildungsmaßnahmen und Qualifikationen. Solo-Selbstständige können bis zu 4.500 Euro an Fördergeldern für die Weiterbildung in Anspruch nehmen. Diese Unterstützung können sie alle zwölf Monate einmal beantragen.
Bildung für nachhaltige Entwicklung – Menschen für die Zukunft fit machen
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) spielt auch bei Fort- und Weiterbildungen eine immer wichtigere Rolle. Carola Lehmann, Leiterin des WILA Bildungszentrum, erklärt den Ansatz im Interview.
In Bildungskreisen ist BNE gerade eins der großen Themen. Was ist daran so spannend?
BNE soll uns alle auf die Zukunft vorzubereiten – und dazu befähigen, gemeinsam die Nachhaltigkeitsziele (SDG) zu erreichen. Wir alle sollen die nötigen Kompetenzen entwickeln, um angesichts der Komplexität und Widersprüchlichkeit unserer Welt, Entscheidungs- und Handlungsfähig zu bleiben. Es geht darum, sich des eigenen Handels und dessen Konsequenzen für die Welt bewusst zu werden. Und zwar, ohne dabei ein Richtig oder Falsch vorzugeben oder die gute Laune zu verlieren. Jeder Mensch muss für sich Entscheidungen treffen – und gleichzeitig können wir unsere Zukunft nur gemeinsam nachhaltig gestalten. Eine große Herausforderung! Wie Bildung dies aufgreifen kann, finde ich spannend.
Das klingt recht abstrakt. Wie sieht das denn konkret aus?
Die Bildungsveranstaltungen zeichnen sich z. B. dadurch aus, dass sie zum Perspektivwechsel einladen; dass man neben Fakten auch lernt, sich auf andere Sichtweisen einzulassen, sich konstruktiv damit auseinanderzusetzen, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Methodisch sind z. B. Planspiele eine gute Möglichkeit, dies zu lernen.
Wie funktioniert so ein Planspiel?
Bei einem Planspiel geht es in der Regel darum, einen fiktiven Konflikt zu lösen. Teilnehmende bekommen jeweils eine Rolle zugewiesen und spielen sie dann in mehreren Runden durch, um den Konflikt im Idealfall zu lösen. Ein Beispiel für so ein Planspiel: In einem Wohngebiet kommt es wegen der Beleuchtung entlang von Wegen zu einem Konflikt. Auf der einen Seite stehen Eltern, die mehr Straßenlaternen wollen, um die Sicherheit zu erhöhen. Beleuchtete Wege gefährden aber Nachtfalter und andere Tiere, die durch Licht die Orientierung verlieren. Daher gibt es im Gebiet auch Naturschützer*innen, die sich gegen nächtliche Beleuchtung einsetzen. Beide Seiten haben ihre Argumente und nun geht es darum, nicht gegeneinander, sondern gemeinsam Lösungen zu finden wie z. B. insektenfreundliche Beleuchtung. Bei BNE geht eben darum, die Kompetenzen zu schulen, die man benötigt, um mit Herausforderungen dieser Art umgehen zu können – und nicht den Kopf in den Sand zu stecken.
Das WILA Bildungszentrum bietet ja v. a. berufsbezogene Seminare und Fortbildungen an. Aber der WILA Bonn ist auch zertifiziert als „Einrichtung Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Welche Angebote gibt es denn zum Thema BNE?
Eigentlich geht es bei allen Fort- und Weiterbildungen darum, „fürs Leben zu lernen“. Alles, was man lernt und womit man sich auseinandersetzt, hilft einem weiter: beruflich, persönlich und bezogen auf die Herausforderungen unserer Zeit. Im WILA Bildungszentrum bieten wir deshalb neben den rein berufsbezogenen sowohl Seminare im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung an, als auch Train the Trainer-Fortbildungen, die BNE-Kriterien entsprechen und für Multiplikator*innen beruflich einsetzbar sind.
Social Presencing Theater zum Beispiel ist eine spannende Methode, die Körperarbeit einbezieht und durch non-verbales Erkunden von Situationen neue überraschende Handlungsoptionen entstehen lässt. Oder die Arbeit mit den Inner Development Goals (IDG), die Menschen dabei unterstützt, ihre Vision, Stolpersteine und Fähigkeiten zu erkennen, „ihren“ Weg zu finden und zu gehen. Beides erkundet man zunächst selbst, um es dann ggf. anderen weitergeben zu können. Auch unsere waldpädagogischen Weiterbildungen haben einen starken BNE-Bezug. Bereits Kitas haben einen Bildungsauftrag, und der Wald bietet eine Vielzahl an Anknüpfungspunkten und Erfahrungsmöglichkeiten für Kinder.
Bildung für nachhaltige Entwicklung hat viele Einsatzfelder und ich möchte nicht nur Fachkräfte im Fort- und Weiterbildungsbereich dazu einladen, sich mit dem Konzept zu beschäftigen. Aus meiner Sicht hat es das Potenzial, etwas zu verändern. Wenn man es mit der nötigen Gelassenheit anwendet.
Fort- und Weiterbildungen rund um Bildung für nachhaltige Entwicklung
Bis unser Anmeldesystem auf unserer neuen Website richtig läuft, erreichen uns immer wieder Fragen. Hier finden Sie die Antworten auf die Häufigsten.
Wie kann ich mich anmelden?
Im Seminar geht man auf Warenkorb und dann auf „zur Kasse“. Dann erst erscheint das Anmeldeformular. Hier wählt man unter Zahlungspflichtig bei Wer
– wenn man privat zahlt: die Option „männlich“, „weiblich“, „divers“ oder
– wenn der Arbeitgeber zahlt: „Firma“ aus.
Danach füllen Sie das Formular aus.
Sie sind Abonnent*in des WILA Arbeitsmarkt und zahlen privat? Bitte tragen Sie das im Bemerkungsfeld ein, damit wir die 10% Ermäßigung berücksichtigen können.
Mir wird nur der Arbeitgeberpreis angezeigt. Wie kann ich mich privat anmelden?
Die Auswahl des Privatpreises wird angezeigt, nachdem Sie die Daten für die Anmeldung eingegeben haben. Wählen Sie „Privatpreis“, dann ändert sich unten der Preis. Erst danach bucht man.
Mein Arbeitgeber übernimmt die Kosten. Wie trage ich das ein?
Hier wählt man unter Zahlungspflichtig zuerst die Option „Firma“ aus und dann
Rechnungsadresse eingeben,
unter Teilnehmende zu diesem Kurs „Arbeitgeberpreis“ wählen und
unter Teilnehmende hinzufügen (roter Button) die eigenen Kontaktdaten eingeben.
Dann erscheint unter den Arbeitgeberdaten der Preis und unter Ihren Daten die Summe 0€.
Sie finden es kompliziert? Wir auch! Bitte rufen Sie uns an! 0228 – 20 16 166
Waldpädagogik: Unsere kleinen und großen Fortbildungen
Der Wald ist für Kinder ein Spiel-, Erfahrungs- und Lernraum und er ist ein Ort für Abenteuer, Fantasie und Stille. Ein umgestürzter Baum wird zum Kletterparadies und dichtes Gebüsch zum Abenteuerland. Die Böschung oder der Lehmhang wird zur Rutsche und die Lichtung lädt zum Zuhören und Träumen ein. Ein Stück Rinde wird zum Boot, das Eichenblatt zum Segel und ein Kind zum Kapitän. Es wird gerannt, geklettert, gefühlt, gerochen, gelauscht, gewerkelt, gematscht und geträumt. Die Natur spricht die Sinne der Kinder an und sie erleben elementare Naturerfahrungen.
Für die fachlich fundierte waldpädagogische Arbeit in der KiTa, der Tagespflege oder im Waldkindergarten bieten wir Seminare und Fortbildungen in verschiedenen Formaten an: Kleine Online-Formate für Einstieg oder Auffrischung, ein- oder zweitägige Kompakt-Fortbildung zum Beispiel zu Sicherheitsaspekten oder für das Umsetzen von Waldtagen. Und unsere mehrteiligen Fortbildungen mit Zertifikat.
Alle unsere Weiterbildungen vermitteln je nach Schwerpunktsetzung ökologisches Grundwissen, Methodik und Didaktik der Waldpädagogik, sowie praktische Tipps für den Aufenthalt mit Kindern im Wald.
Einmal im Jahr startet die große Weiterbildung zum/zur Facherzieher*in für Natur- und Waldpädagogik, die wir seit vielen Jahren sehr erfolgreich in Kooperation mit der Naturschule Deutschland durchführen. Hier qualifizieren Sie sich umfassend zur Facherzieher*in für Natur- und Waldpädagogik. Die Weiterbildung besteht aus einem Basis- und einen Aufbaukurs, der jeweils dreiteilig i.d.R. im Haus Venusberg (mit Übernachtung) in Bonn stattfindet. Hierfür erhalten Sie – neben vielen Ideen und gemeinsamen Erlebnissen im Wald am Ende ein qualifiziertes Abschlusszertifikat.
Gerne kommen wir auch zu Ihnen und bieten auf Anfrage Teamfortbildungen an.
Warum Waldpädagogik?
Zahlreiche Studien belegen die große Bedeutung von Naturkontakt und Naturerfahrung für die körperliche, seelische und geistige Entwicklung von Kindern. Der Elementarpädagogik wird hier eine besondere Stellung eingeräumt, was sich mittlerweile in den Bildungs- und Orientierungsplänen sämtlicher Bundesländer ausdrückt.
Insbesondere der Wald ist ein äußerst anregender Ort: Dort können Kinder in Bewegung sein und ihre eigenen Kräfte stärken. Sie machen elementare Naturerfahrungen und erleben den Rhythmus der Jahreszeiten. Die unzähligen, einfachen Dinge der Natur laden zu fantasievollem, kreativem Spielen und Lernen ein. Forscherdrang und Wissensneugier werden angeregt.
Die Lebensrealität der Kinder in unserer Gesellschaft hat sich verändert, so dass die Möglichkeiten, sich Naturräume selbstständig zu erschließen, für viele begrenzt oder gar nicht mehr vorhanden sind. Draußen zu sein und das ganze Jahr über in der Natur zu spielen ist heute alles andere als selbstverständlich. Umso mehr wächst die Bedeutung für alle Formen von Kindertageseinrichtungen, Naturkontakte, freies Spiel und gezielte didaktische Angebote und Projekte in der Natur zu ermöglichen und die Kinder dabei professionell zu begleiten. Dazu braucht es kompetente erwachsene Bezugspersonen („Walderzieherinnen“ und „Walderzieher“), die die Kinder dabei unterstützend begleiten.
ChatGPT kann für Fachkräfte in der Öffentlichkeitsarbeit eine hilfreiche Unterstützung mit vielen Facetten sein. Moritz Sauer, Referent beim WILA Bildungszentrum, nimmt die Scheu vor der KI und gibt Tipps zur richtigen Nutzung.
Interview: Daniela Obermayer
Warum sollte man keine Scheu haben, ChatGPT für die Öffentlichkeitsarbeit einzusetzen? Welchen Nutzen kann man daraus ziehen?
In diesem Jahr sind wir alle vom Thema KI überrollt worden. Nach der Social-Media-Revolution stehen wir jetzt gerade am Anfang der nächsten großen Revolution. Aber wir können nur ahnen, wohin die Reise geht. Darum muss man sich – meiner Meinung nach – mit dem Thema auseinandersetzen. KI-Systeme werden bleiben und Arbeitsbereiche revolutionieren, unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit.
Das Gute an der Öffentlichkeitsarbeit ist jedoch, dass man hier mit Informationen spielt und arbeitet, die sowieso öffentlich zugänglich auf Webseiten und Social-Media-Kanälen sind. Eine Schreib-KI unterstützt den Menschen und nimmt lästige Arbeit ab. Aber sie ersetzt Menschen nicht, sondern erhöht – richtig eingesetzt – die Qualität der eigenen Arbeit. Denn eine KI ist per se nicht kreativ. Es werden aber die Menschen ersetzt, die sich nicht mit den neuen Möglichkeiten auseinandersetzen. Diese werden sicherlich von den anderen abgehängt, die von der KI profitieren.
Für welche Aufgaben im Bereich Öffentlichkeitsarbeit kann man ChatGPT nutzen, unabhängig von der Branche?
Eine Schreib-KI wie ChatGPT kann so vieles, dass es wirklich wahnsinnig ist. Sie kann dein Coach sein und dir helfen, deine Öffentlichkeitsarbeit zu strukturieren, zu planen und mit dir einen Redaktionsplan zu erstellen. Du brauchst eine Muse? Dann hilft dir die KI, dich zu inspirieren, um spannende Inhalte zu generieren. Als Arbeitsdrohne arbeitet sie für dich aber auch einfach nur Texte ab. Sie verbessert auf Wunsch und erstellt aus deinen Texten neue Beiträge für Social Media, Präsentationen und Webseiten.
Können Sie ein Beispiel für die Nutzung beschreiben, etwa wenn eine Fachkraft ChatGPT für die Erstellung einer Pressemitteilung verwenden möchte. Wie geht sie vor?
Der erste Schritt im Gespräch mit einer KI ist es, sich klar zu werden, was man als Endergebnis haben möchte. Je mehr Informationen ich einer Schreib-KI, wie zum Beispiel ChatGPT oder Google Bard zur Verfügung stelle, desto bessere Ergebnisse erhalte ich.
Gibt man der KI genügend Arbeitsmaterial, fängt die Maschine auch nicht an zu halluzinieren, denkt sich Tatsachen aus oder ‚labert nur so rum’. Außerdem gestaltet sich die Interaktion mit einer KI oft erfolgreich, wenn man die vier W-Fragen in seinen Kommandos beachtet: Wer? Was? Wen? Wie? Konkret ausgedrückt: Wer soll die KI sein? Was soll die KI schreiben? Wen adressieren wir mit unserem Text? Und wie soll das Ergebnis ausgegeben werden?
Kann man ChatGPT auch als absoluter IT-Laie verwenden?
Aktuell nutzen laut OpenAI, der Firma hinter ChatGPT, monatlich 100 Millionen Menschen ChatGPT. Warum? Weil es so einfach ist. Jeder kann mit der Maschine ‚chatten’, also plaudern. Entweder man schreibt in das Eingabefeld oder man nimmt die App zur Hand und redet direkt mit der Maschine.
Was gilt es bei der Nutzung zu beachten? Gibt es No-Gos und was wären diese?
Ohne anti-amerikanistisch zu klingen, finde ich es schwierig, dass die beliebteste und aktuell fortschrittlichste KI von einem amerikanischen Unternehmen kontrolliert wird. Dahinter versucht sich Google mit Google Bard zu etablieren. Das bedeutet, dass man auf keinen Fall sensible Daten hochladen sollte. Denn ähnlich wie bei Google wird jede Eingabe abgespeichert. Einerseits behält OpenAI die Daten, um die Maschine weiter zu trainieren. Andererseits hält sich die Firma bedeckt, ob diese Informationen irgendwann gelöscht werden. Schaut man sich Meta, Google oder Amazon an, dann bin ich überzeugt, dass nichts gelöscht wird.
Wo kann man sich seriös informieren oder weiterbilden?
Ein empfehlenswertes und kritisches Buch zum Thema KI heißt ‚The Alignment Problem: Machine Learning and Human Values’. Das Sachbuch hat der amerikanische Autor Brian Christian im Jahr 2020 veröffentlicht. Es basiert auf zahlreichen Interviews mit Experten, die versuchen, Systeme der künstlichen Intelligenz, insbesondere Systeme des maschinellen Lernens, zu entwickeln, die mit menschlichen Werten in Einklang stehen. Und die YouTube-Videos von Professor Rieck zum Thema KI und ChatGPT sind richtig spannend und erhellend, auch wenn schon wieder etwas ‚älter’, sprich ein paar Monate. Wer dann noch Zeit hat, hält sich mit den Videos von Matt Wolfe auf dem Laufenden. Der amerikanische YouTuber berichtet über KIs aus allen Bereichen.
Über Moritz Sauer
Foto: Privat
Moritz »mo.« Sauer ist Diplom Pädagoge, Journalist, Dozent, Buchautor und Webdesigner. Hauptsächlich beschäfigt er sich mit den Themen KI, Internet, Kommunikation, Journalismus, WordPress, Webdesign, Öffentlichkeitsarbeit und Musik.
Social Presencing Theater: Nachhaltige Entwicklung nach außen und Innen
Was braucht es, um Veränderungsprozesse anzuregen, die nicht nur aus dem Denken, sondern auch aus dem intuitiven Wissen unseres Körpers entstehen? Die Methode des Social Presencing Theaters verspricht Antworten. Die Beraterinnen und Prozessbegleiterinnen Antje Schwarze und Sylvia Kaldenbach bieten dazu nun auch eine Fortbildung im WILA Bildungszentrum an. Im Interview erklärt Antje Schwarze, was es mit dem Ansatz auf sich hat.
Warum reicht reines „Denken“ oder „Wissen“ nicht aus, um Veränderungen anzustoßen?
Weil wir ganzheitliche Wesen sind. Menschen haben Gedanken und Gefühle, wir sind soziale Wesen. Entsprechend spielen viele Faktoren dabei eine Rolle, ob wir etwas verändern „wollen“ in unserem Leben oder auch als Gesellschaft. „Wissen“ oder „über etwas nachdenken“ reicht in der Regel nicht aus, um tatsächlich etwas zu verändern.
Wie trägt die Methode „Social Presencing Theater“ dazu bei, vom reinen Wissen ins Handeln zu kommen?
Das Social Presencing Theater ist ein achtsamkeitsbasierter Ansatz aus dem Rahmenwerk der Theorie U, der unser Bewusstsein für uns selbst und Andere schult. Die Bewegungsmethode zeigt, wie wir unseren Körper aktivieren, „mit ins Gespräch“ einbinden können. Das kann sehr hilfreich sein, denn manchmal verleitet uns das Denken dazu, uns in unseren Gedanken im Kreis zu drehen oder stecken zu bleiben. Unser Körper ist da manchmal viel intelligenter und erlaubt uns, Dinge einfach mal auszuprobieren, kreativer zu sein und mal ganz anders zu machen – sei es für uns selbst oder mit anderen Menschen.
Wie kann ich die Methode einsetzen?
Mit Social Presencing Theater schulen wir die Wahrnehmungsfähigkeit für uns selbst und in sozialen Interaktionen. Dies gelingt uns am besten, wenn wir es in einer Gruppe ausüben. Verschiedene Praktiken helfen, Zugang zu unserer Kreativität und unserem intuitiven Wissen zu finden oder Blockaden im Denken und Fühlen sichtbar zu machen und Altes loszulassen. Außerdem können wir mit dem Ansatz unsere Achtsamkeit für das soziale Feld schulen, andere Perspektiven einnehmen und so unsere Handlungsoptionen erweitern. Wir verstehen besser, welche Entscheidungen wir z. B. für eine nachhaltige Zukunft individuell als auch kollektiv treffen können.
Wie kann Social Presencing Theater Transformationsprozesse unterstützen?
Bei Transformationsprozessen geht es darum, etwas völlig Neues entstehen zu lassen. Es gibt kluge Menschen, die sagen, dass wir unsere komplexen Probleme heutzutage nicht nur mit den Lösungen der Vergangenheit lösen können. Wir brauchen vollkommen neue Lösungen. Diesen Prozess des neu entstehen Lassens können wir mit dem Ansatz üben. Wir können damit neue Zukunftsszenarien gemeinsam entwickeln – z. B. mit dem sogenannten 4D-Mapping. Das ist eine Systemische Aufstellung, in der wir dazu unsere Körperwahrnehmung nutzen.
Wer „sollte“ sich mit Social Presencing Theater befassen?
Der Workshop ist hilfreich für alle, die mit Menschen und Gruppen arbeiten: Pädagog*innen, Berater*innen, Führungskräfte, Coaches, Multiplikator*innen und Aktivist*innen aus dem Feld der Nachhaltigkeit. Sie können mit der Methode ihre eigene Präsenz und die Gruppenatmosphäre auf einer anderen Ebene wahrnehmen und reflektieren, so dass sie eine vertrauensvolle und konstruktive Atmosphäre schaffen können, die Veränderungsprozesse fördert.
Ausbildung: Beraterin und Prozessbegleiterin für Kommunen, Wohlfahrtsverbände und NGOs und Themen nachhaltiger Transformation. Theorie U Trainings des Presencing Institute, Advanced Practitioner Program mit Arawana Hayash.
Foto: Antje Schwarze und Sylvia Kaldenbach
Website: www.condimento.net Website Theory U: theory-u.de/spt-community/
Seminare zu den Inner Development Goals (IDG) oder Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
Bildungsurlaub: Drei bis fünf Tage bilden statt arbeiten
Ob zur beruflichen, politischen, ehrenamtlichen oder ganz persönlichen Weiterbildung, als Bildungsurlaub anerkannte Seminare können in NRW und den meisten anderen Bundesländern (außer Bayern und Sachsen) in der Arbeitszeit besucht werden. Wenn Sie diese Möglichkeit nutzen möchten, beantragen Sie die drei- bis fünftägige Weiterbildung spätestens sechs Wochen vor Beginn bei Ihrem Arbeitsgeber.
Alle Angestellten in der privaten Wirtschaft und im öffentlichen Dienst haben Anspruch auf Bildungsurlaub. Diesen können sie beantragen, sobald sie sechs Monate in ihrem Job sind. Anspruch besteht in der Regel auf fünf Arbeitstage im Jahr oder zehn Tage am Stück alle zwei Jahre. Der Arbeitnehmer zahlt das Seminar zwar selbst, bekommt währenddessen aber volle Lohnfortzahlung von seinem Arbeitgeber, es zählt also als Arbeitszeit. Hat der Arbeitgeber in NRW innerhalb von drei Wochen nicht abgelehnt, können Sie teilnehmen. In anderen Bundesländern gelten zum Teil andere Fristen. Selbstverständlich können sie auch teilnehmen, wenn Sie die BU-Option nicht nutzen, es ist lediglich ein zusätzlicher Anreiz.
Das WILA Bildungszentrum hat sein Angebot an Bildungsurlauben in diesem Jahr ausgeweitet. Ob als Online-Fortbildung oder bei uns in Bonn, unsere Seminare in kleinen Gruppen erweitern immer den Horizont und bringen neue Anstöße. Viele verbinden einen Bildungsurlaub bewusst mit einem Besuch in Bonn. Denn die Bundesstadt hat viel zu bieten! Das Haus der Geschichte und die Museumsmeile sind vom WILA eine Viertelstunde zu Fuß erreichbar, ebenso die Innenstadt, der Rhein noch näher.
Wir haben die Schalldämmung in unseren Seminarräumen verbessert!
Unser schöner großer Seminarraum im Dachgeschoss hat jetzt schallisolierende Paneele an der Decke. Das verbessert den Raumklang merklich und hat bereits bei unserer internen Jahresklausur für angenehmes Staunen gesorgt. Größere und interaktiv arbeitende Gruppen fühlen sich dort nun länger wohl.
Kollegiale Fallberatung: Die Schwarmintelligenz des Teams
Lösungsorientierte und wirkungsvolle Unterstützung ermöglicht die „kollegiale Fallberatung“ – eine Methode der selbst organisierten Beratung im professionellen Umfeld. Inse Böhmig, Coach und Trainerin, leitet Kurse zu diesem Thema im WILA Bildungszentrum.
Interview: Anja Schreiber
Können Sie die Methode der kollegialen Fallberatung vorstellen?
Diese Methode ermöglicht es Teams, Arbeitsgrup-pen und selbstorganisierten Gruppen von Peers, sich wirkungsvoll zu unterstützen und voneinander zu lernen. Dabei übernimmt die Beratung nicht jemand von außen, sondern die Gruppe oder das Team selbst. Für die Lösungen von Problemen, die ein Mitglied hat, nutzt die Gruppe ihre Schwarmintelligenz. Das Besondere bei dieser Beratung ist, dass die Rollen rotieren. Mal bringt man selbst einen Fall ein, mal berät man. Die Person, die den Fall einbringt, erhält von der Gruppe Impulse für neue Denk- und Handlungsmöglichkeiten.
Wann kann man eine kollegiale Fallberatung anwenden? Können Sie konkrete Beispiele nennen?
Das können ganz unterschiedliche Fälle sein. So kann es um Probleme im Team oder um persönliche Herausforderungen gehen, wie etwa eine Veränderungssituation im Unternehmen. Die verschiedenen Konfliktparteien sollten allerdings nicht Mitglieder der beratenden Gruppe sein. Folgender Fall ist möglich: Eine Teilnehmerin hat eine neue Stelle angetreten. Ihre Aufgaben machen ihr Spaß, aber sie hat das Gefühl, dass sie bei ihrer neuen Arbeit ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird. Deshalb ist sie unzufrieden. Ein anderer häufiger Fall ist, wenn ein Gruppenmitglied eine*n unzuverlässige*n Kolleg*in hat, der oder die sich nicht an Absprachen hält.
Wie läuft nun ganz konkret die Fallberatung ab?
Zuerst werden die Rollen festgelegt, wer die Moderator*innen, Fallgeber*innen und Berater*innen sind. Dann wird die Frage geklärt, welcher Fall behandelt wird. Anschließend schildert die oder der Fallgeberin das Anliegen. Daraus entwickelt die Gruppe eine zielgerichtete Schlüsselfrage. Diese sollte handlungs- und lösungsorientiert sein. Nun sprechen die Beratenden über ihre Ideen oder eigenen Erfahrungen. Dabei werden in der Regel unterschiedliche Perspektiven geschildert. Während die Gruppe zu Wort kommt, hört die oder der Fallgeber*in zu. Im vorletzten Schritt gibt sie oder er den Beratenden eine Rückmeldung darüber, was ihr oder ihm spontan hilfreich erscheint. Es geht übrigens nicht darum, der oder dem Fallgeber*in eine fertige Lösung anzubieten. Sie oder er soll vielmehr selbst eine eigene Lösung finden. Zum Schluss schaut die Gruppe noch einmal auf den Beratungsprozess.
Was sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Fallberatung?
Wichtig sind absolute Vertraulichkeit und gegenseitige Wertschät-zung. Bewertungen und Urteile haben in der kollegialen Fallberatung nichts zu suchen. Vielmehr geht es darum, die oder den Fallgeber*in zu inspirieren und zu motivieren. Vor der eigentlichen Fallberatung sollte es aber auf jeden Fall eine Kick-off-Veranstaltung geben, in der jemand aus der Gruppe, der sich mit der kollegialen Beratung aus-kennt, die Methode vorstellt.
Welche Kompetenzen sollten die Gruppenmitglieder mitbringen?
Sie sollten offen, empathisch und gleichzeitig reflektiert sein. Außer-dem ist es wichtig, dass sie aktiv zuhören können und respektvoll mit anderen umgehen. Diese sozialen Fähigkeiten lassen sich in der kollegialen Fallberatung trainieren.
In welchen Settings kann eine Fallberatung stattfinden?
Kollegiale Fallberatungen kann man mit Kolleg*innen durchführen, aber auch mit einer Gruppe von Menschen mit dem gleichen professionellen Hintergrund – also mit sogenannten Peers, die nicht im gleichen Unternehmen arbeiten. Fallberatungen lassen sich sowohl in Präsenz als auch digital abhalten.
Welchen Unterschied macht es, ob man eine Fallberatung im realen oder virtuellen Raum durchführt?
Bei der digitalen Fallberatung sind die Moderator*innen besonders wichtig. Sie sollten die Struktur und den Ablauf im Blick haben und besonders aufmerksam auf die Einhaltung der Regeln achten. Auch für Einstiegsrunden im virtuellen Raum sollten sie sorgen, damit der Small Talk nicht zu kurz kommt. Das ist bei Präsenzveranstaltung meist nicht nötig, da das von alleine geschieht. Gleichzeitig haben gerade virtuelle Fallberatungen zusätzlich Vorteile: Man kann zum Beispiel den Chat nutzen, um Ideen zu sammeln oder die Konzentration auf das Zuhören durch das Abstellen von Mikrofonen und Kameras erleichtern.
Über Inse Böhmig
Ausbildung: Systemische Business Coach, zertifiziert durch Systemische Gesellschaft e.V. (500h)
Viele offene Stellen werden heutzutage unter der Hand vergeben. Um an diese ranzukommen, empfiehlt es sich, ein umfangreiches Netzwerk an beruflichen Kontakten aufzubauen. Wie das funktioniert, erklärt Netzwerk-Coach und WILA-Dozentin Dr. Antje Schultheis.
Interview: Interview: Elisabeth Werder
Warum werden viele Stellen „unter der Hand“ besetzt?
Offizielle Ausschreibe- und Auswahlprozesse sind oft ressourcenaufwändig, langwierig und setzen zu spät ein. Eine Ausschreibung bedeutet das Sichten von sehr vielen und „Aussortieren“ von Kandidat*innen. Sobald sich ein Personalbedarf abzeichnet, hören viele Arbeitgeber sich gern erstmal in den eigenen Netzwerken um.
Welchen Vorteil haben Unternehmen und Mitarbeitende dadurch?
Selbst nach einem Bewerbungsverfahren nach den Kriterien der Objektivität, Validität und Reliablität ist nicht sicher, ob jemand mit seinen Werten, seiner Haltung und Arbeitsweise ins Team passt. Besser einschätzen kann man das, wenn man jemanden schon kennt: zum Beispiel ehemalige Praktikant*innen, studentische Hilfskräfte, Mitarbeiter*innen oder Fachkräfte von kooperierenden Arbeitgebern.
Also lohnt es sich, auf inoffiziellen Wegen den Kontakt zu suchen?
Man investiert in das eigene Empfehlungsmarketing, kommt mit Arbeitgebern direkt in Kontakt und erfährt ihre (künftigen) Bedarfe. Arbeitgebende Organisationen gehen heute aktiver und auch innovativer auf potenziell neue Mitarbeitende zu und vertrauen Kontakt-Empfehlungen. Dies geschieht zum Beispiel auf Jobmessen oder über digitale Netzwerke wie Linkedin und Xing. Ein Trend ist das so genannte Fridge Hiring, also auf Vorrat Menschen rekrutieren oder sogar einstellen, bevor es einen akuten Personalbedarf gibt. Dies ist vor allem in folgenden Fällen interessant: Bei anstehenden Berentungen, geplanter Expansion oder zu erwartender Projektmittelbewilligung, als Urlaubs- oder Krankheitsvertretung oder wenn man eine längere Einarbeitungszeit einplant, bis die Fachkraft sich in der richtigen Stelle voll entfaltet.
Welche Arbeitgeber können sich Fridge Hiring leisten?
Die Frage muss sein: Wer kann es sich leisten, Personalengpässe und aufwendige Rekrutierungsprozesse zu spät und dann unter zeitlichem und personellem Hochdruck zu gestalten? Bestandsmitarbeiter*innen werden oft durch die Überbelastung und Vertretung einer unbesetzten Stelle krank. Das kostet nicht nur die Arbeitgeber, sondern auch die Sozialkassen. Geschmeidige Übergänge sind letztlich ressourcenschonender.
Sicher fehlen vor allem bei NGOs die Mittel für Fridge Hiring?
Für NGOs, die sich auf viele Fördermittel bewerben, könnte das Fridge Hiring sehr attraktiv sein: Sobald eines der Projekte bewilligt ist, muss der Start mit einem neuen und erweiterten Team schnell gehen. Doch hier jemanden „auf Vorrat“ voll einzustellen, ist für NGOs finanziell herausfordernd. Ein Einarbeiten in Teilzeit oder freier Mitarbeit könnte eine Option sein.
Wie funktioniert pro-aktives Netzwerken?
Netzwerken bedeutet „geben, geben und an anderer Stelle wieder etwas bekommen“. Überlegen Sie: Welche Informationen oder Kontakte kann ich weitergeben und welche brauche ich? Wer kann mich mit interessanten Menschen bekannt machen oder auf welche gehe ich – zum Beispiel über LinkedIn – direkt zu? Das Wichtigste ist eine positive Einstellung. Netzwerken ist nicht zu verwechseln mit Vetternwirtschaft, sondern ein wertschätzendes füreinander Interessieren, Teilen von Informationen und Erfahrungen, Weiterleiten von Hinweisen, Auftragsanfragen, Stellenangeboten und das Erteilen von Empfehlungen. Wenn man erst mal in dem informellen Netzwerk Sicherheit gewinnt, kann man sich dann die thematisch-fachlichen und formellen Netzwerke erschließen und sich dort präsentieren.
Wie finden introvertierte Menschen den Einstieg ins Netzwerken?
Üben Sie: Gehen Sie an Tagen, wo Sie sich gut fühlen, auf Veranstaltungen. Oder begleiten Sie Kolleg*innen auf Meetings und lassen sich im Huckepackverfahren vorstellen. Bei digitalen Meetings nutzen Sie die Breakoutsessions, um intensiver ins Gespräch zu kommen. Genau dies bieten wir im beruflichen Netzwerk Spinnen-Netz an, wo wir Arbeitssuchende mit Menschen in Kontakt bringen, die bei ihren Wunscharbeitgebern arbeiten.
Dieser Artikel erschien im Original im WILA Arbeitsmarkt, Ausgabe 31/2023.